2022 I Kult(o)urnacht I Anselm

Ausstellung im Künstlerbund

„Anselm“
Doppelausstellung im Künstler – und Feuerbachhaus

In der Kult(o)urnacht 2022 präsentiert der Künstlerbund die Ausstellung „Anselm“.
In dieser Doppelausstellung, in Zusammenarbeit mit dem Feuerbachverein werden im Künstlerhaus, wie auch im Feuerbachhaus Arbeiten präsentiert, deren Grundlage die Auseinandersetzung mit Leben und Werk des gebürtigen Speyerer Malers Anselm Feuerbach ist.
Die Ausstellung wurde von den Vorstandsmitgliedern Margarete Stern, Stefan Becker und Thomas Manelli Mann so kuratiert, dass bei dieser Ausstellungs-Komposition jedes Werk eine ihm gültige Präsenz zu Gute kommt.

Wir stoßen bei dieser Doppelausstellung auf zwei Phänomene: Die Einzigartigkeit des Auslösers -Anselm Feuerbach- wird überschnitten mit der Einzigartigkeit der Protagonisten, -der einzelnen Künstler-, die mit ihren individuellen Ansichten und Ausdrucksweisen mit dem Urheber einen interessanten Dialog eingehen, das heißt, wir wandern zwischen zwei kulturellen Epochen.
Was die 14 Künstlerinnen und Künstler des Künstlerbundes Speyer, die sich mit Feuerbach beschäftigt haben, eint, ist der Respekt vor dessen künstlerischer Leistung. Feuerbach, aus Speyer weggezogen, ist das Risiko eingegangen, künstlerischen Erfolg in der Fremde zu suchen. Nach dem Motto „In der Ferne gilt der Künstler mehr als zu Hause“.
Bei der Ausstellung „Anselm“ geht es grundsätzlich um veränderte Einstellungen und Sehgewohnheiten. Man bedenke die zahllosen Ismen, Umwälzungen und Skandale in der Kunst im Laufe des ausgehenden 19. Jahrhunderts seit Feuerbach bis heute.
Entscheidend für die Betrachtung und Auseinandersetzung der Künstler mit Feuerbach ist letztlich der Gedanke, dass, wer die Geschichte der Welt ignoriert, auf Dauer zum Scheitern verurteilt ist. So ist der Meister „Anselm“ mitten unter uns!

Margarete Stern: „Auch das Schöne muss sterben“: Auf dem in extremem Hochformat gehaltenen Porträtkanon werden Anspielungen und Doppeldeutigkeiten wiedergegeben, in Anlehnung an Feuerbachs Verehrung für Frauen und seine Abhängigkeit von ihnen.

Martin Eckrich: Mit der Installation „Lavastrom“ werden Parallelen zu unserer Zeit gezogen. Auf dem mit Lavaströmen zerfurchten Kleid einer fremdländischen Frau sind Reste von Kriegswaffen und zerschlagenen Figuren der Romantik montiert.

Christoph Anschütz: „Anselm cornu bleu“, bei dessen Objekt wird die Tradition Feuerbachs regelrecht aufgespießt. Aus wesensfremden Elementen –Gabel und das Porträt Feuerbachs- wird, ganz im Stile surrealen Denkens, neuer Sinn geschaffen.

Luisa Schmeisser: In ihren collageartigen Arbeiten „Nanna I und II“ beschäftigt sich Schmeisser mit der schicksalhaften Beziehung zwischen Anselm Feuerbach und Anna Risi, genannt Nanna, die ihm Muse und Geliebte war, und für ihn das Ideal von klassischer Schönheit verkörperte

Reinhard Ader: „Iphigenie“: Spannung wird erzielt, da der Mensch ausgespart ist. Das Detail des Gewandes der Iphigenie gerät zu einem Vorhang, hinter dem sich das eigentliche Geschehen abspielt, zu Stein gewordene Landschaft auf der Frage nach dem, was bleibt.

Karin Germeyer-Kihm: „Am Fenster“ und „o.T.“: Die Pose der Frauenporträts erinnert an antike Statuen, wobei Germeyer-Kihm ihre eigene expressive Farbigkeit, zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, umsetzt.

BUJA & Nicolas Wenz: In „Anselm II“, ist das Aktionsfeld eine Tischdecke. Auf dem Porträt Feuerbachs dokumentieren Gebrauchsspuren das Feiern und Trauern, das Miteinander im Gespräch bei Tisch: Unsere kollektive Tischkultur.

Günter Zink: In den Werken „Feuerbach reloaded“ wird der Altmeister „Neu geladen“: Zink „modernisiert“ und „beamt“ mit den Selbstporträts Feuerbachs diesen mittels eines ungegenständlichen Malgestus‘ in einen expressiven Farbraum.

Nina Bußjäger: Im Werk „Feuerbach“ spiegelt sich Feuerbachs Denken wider, Zitat: „Mein Geist ist rastlos tätig, und wenn ich die hinterste Wand wegschiebe, so funkelt etwas durch die Spalten wie viel Licht“. Bußjäger beschäftigt sich mit dem Menschen Feuerbach, dem Getriebenen, dem Nicht-Integrierten.

Kult(o)urnacht Special

Ausstellung Feuerbachhaus

Thomas Manelli Mann: „Pop-Art Porträt Anselm“ und „Feuerbach Porträt 1 und 2“: Hier werden mit witzig-skurrilen Anspielungen Lebensstationen Feuerbachs, Charaktereigenschaften, überlieferte Gedanken und Zitate in symbolhafter Form wiedergegeben.
Augenzwinkernd lässt er Amsel Feuerbach ein Selfie machen: Das Bild eines Abbildes von einem Abbild wird zum „neuen“ Bild.

Karin Germeyer-Kihm: „o.T.“: Die Pose der Frauenporträts erinnert an antike Statuen, wobei Germeyer-Kihm ihre eigene expressive Farbigkeit, zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, umsetzt.

Markus Münzer: „Streifenbilder 1 und 2 (Kubus0)“: Reale Lichtreflektionen und Originalgemälde gehen beim Fotografieren mit dem Ausstellungsort Mannheim eine Symbiose ein.

Fred Feuerstein: In Nanna I und II wird mit Buntstifttechnik in starker Farbintensität -im Gegensatz zu Feuerbachs fast monochromer Malerei- Nanna in der Pose der Iphigenie, wiedergegeben.

Stefan Becker: In „Anselmo.Lido.22“ findet das Unstete, das Zerrissen-Sein Feuerbachs seinen Ausdruck. Porträts, Anspielungen und Bezüge prägen die, fast aus den Fugen geratenen, zeichnerischen Exkurse.

Joachim Pfaffmann: „Mandolinenspielerin, europäisch, asiatisch und afrikanisch“ ist eine fotografische Serie. Der Gegenentwurf der 3 Ethnien kritisiert unterschwellig Feuerbachs einseitige romantische Einstellung zur Antike, die in heutigem Sinne nicht mehr zeitgemäß scheint.

Das „Bildnis von Eva G mit Sittich“ erinnert an Feuerbachs Porträtmalerei. Margarete Stern dagegen überträgt in einem befremdlichen Realismus das Porträt der Eva Green, einer zeitgenössischen bekannten Schauspielerin, in die heutige Zeit.

Günter Zink: In den Werken „Feuerbach reloaded“ wird der Altmeister „Neu geladen“: Zink „modernisiert“ und „beamt“ mit den Selbstporträts Feuerbachs diesen mittels eines ungegenständlichen Malgestus‘ in einen expressiven Farbraum.

 

Text und Fotos: Reinhard Ader